Acne inversa-Erkrankte kennen das Spiel: In regelmäßigen Abständen, gerade so, wie die Schübe kommen, werden von vielen Ärzten Antibiotika verschrieben. Es kann unter der Einnahme von Antibiotika aber auch zu Durchfällen (Diarrhoe) kommen. Wie man das verhindern oder auch lindern kann, aber auch welche Risiken es mit der Einnahme von Hefepilzprodukten in Verbindung mit Antibiotika gibt, versuchen wir nachfolgend zu klären.

Antibiotika sind dumm

Man muss zunächst sagen, dass es jeden treffen kann. Es gibt – abgesehen von darmkranken Menschen – bei diesen Durchfällen keine bestimmte Disposition oder Voraussetzung, die den Einen oder Anderen mehr oder weniger anfällig machen würde. Bei einem gesunden Magen-Darm-Trakt kann es während der Einnahme von Antibiotika zu Diarrhoe kommen, muss aber nicht. Es kommt vor allem auch auf die Art des Antibiotikums an, denn diese weisen Unterschiede in ihrer Wirkungsweise und ihrer Zusammensetzung auf.

Wenn man die Wirkungsweise von Antibiotika versteht, dann wird schnell klar, warum es zu Durchfall kommen kann: Antibiotika tun genau das, was ihr Name verspricht. Das Wort Antibiotikum leitet sich von Antibiose ab – das Gegenteil von Symbiose. Wenn Symbiose also bedeutet, dass 2 Organismen in Eintracht zusammenleben und sogar voneinander profitieren, dann bedeutet Antibiose, dass 2 Organismen eben nicht zusammen leben können, und dass der eine den anderen benachteiligen und sogar abtöten kann, aber in jedem Fall bekämpft. Da Antibiotika aus Bakterien gewonnen werden (zum Beispiel Penicillin), wird nun klar, was sie mit anderen Bakterien machen und wie sie wirken.

Antibiotika sind aber dumm. Sie erkennen keinen Unterschied zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien – sie bekämpfen beides. Im gesunden menschlichen Darm finden sich bis zu 100 Billionen Bakterien, welche sich wiederum in 200-300 Gattungen unterteilen lassen. Viele dieser Bakterien sind gut für uns und zum Teil für die Verdauung wichtig. Das Antibiotikum greift aber auch diese an und zerstört somit die gesunde Darmflora. Das Mittel schafft sozusagen Platz. Allerdings auch Platz für Erreger, die unser Darm gar nicht mag. Diese Erreger finden nun genügend Möglichkeiten, um sich zu vermehren und ihr übles Werk zu verrichten: es kommt zu Durchfall. Unter anderem können das Clostridien, Salmonellen, aber auch Candida-Pilze sein.

Probiotika, nicht unbedingt die Rettung in der Not

Probiotika sind das genaue Gegenteil dessen, was Antibiotika sind. Sie sind für das Leben (griechisch pro = für, bios = Leben). Ein spezielles Probiotikum kann im Falle einer Antibiotika-Gabe besonders hilfreich, aber in unserem Fall auch gefährlich sein (mehr dazu weiter unten). Die Rede ist von der medizinischen Saccharomyces boulardii. Ein Hefepilz, der binnen weniger Stunden den Magen-/Darm-Trakt besiedelt. Die oben genannten Erreger werden so in ihrem Wachstum gehemmt und sogar verdrängt. So wird die gesunde Darmflora erhalten.

Wie sollen die Mittel eingenommen werden

Natürlich kommt es immer auf den Hersteller an – also unbedingt die Beipackzettel beachten. In der Regel sollte man jedoch pro Tag ein Gramm dieser natürlichen medizinischen Hefe zu sich nehmen. Das entspricht je nach Hersteller 2 x 2 Kapseln pro Tag.

Auch drei Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie kann man mit der Einnahme der Hefeprodukte noch beginnen. So kann man aktiv das Risiko für Durchfälle senken. Auch bis zu vier Wochen nach der Antibiotika-Behandlung kann es zu Durchfällen kommen; darum sollte man die Hefetherapie in dieser Zeit fortsetzen, um den Darm zu unterstützen.

Vorteile gegenüber normalen Durchfallmitteln

Der Vorteil dieses Probiotikums ist gegenüber üblichen Durchfallmitteln, dass es die Darmmotilität – also die Darmbeweglichkeit – nicht einschränkt. Man könnte meinen, dass dies, angesichts der nervig häufigen Toilettengänge, doch eher gewünscht wäre. Eine nur allzu menschliche Ansicht. Doch wenn man die Beweglichkeit des Darms verlangsamt, somit also die Ausscheidung verringert, hemmt man auch die Ausscheidung der krank-machenden Bakterien. Diese gilt es aber in jedem Fall aus dem Köper zu befördern, um eine schnellere Genesung zu gewährleisten.

Gefahr bei Immunschwäche und Entzündungskrankheiten

Bei der Einnahme von Saccharomyces boulardii wurden auch schon opportunistische Infektionen und septische Verläufe beschrieben. Opportunistisch bedeutet, dass die Hefepilze eben das Wachstum und die Besiedlung des Darms durch schädliche Erreger begünstigen, anstatt dies zu verhindern. Das wäre in unserem Falle sicherlich unerwünscht. Man sollte also, so wie immer eigentlich, vorher alles genau mit dem behandelnden Arzt besprechen und keine eigenständigen Therapien beginnen. In jedem Fall sollte man mit der Einnahme der Hefe aufhören und einen Arzt aufsuchen, wenn es trotzdem zu Durchfällen kommt.

Gefährliche Diarrhoe durch Hefe

Der Durchfall ist in keinem Fall auf die leichte Schulter zu nehmen. Durch die opportunistische Infektion kann auch das Bakterium Clostridium difficile begünstigt werden, welches normalerweise nicht in der Darmflora vorkommt.

 

Dieser Erreger kann durch Antibiotika begünstigt werden und eine Kolitis, also eine Darmentzündung, auslösen. Wenn sich dieser Erreger nun durch die Hefe noch mehr vermehren kann, als er dies ohnehin durch die Schwächung der Darmflora, aufgrund der Antibiotika, tun kann, ist Vorsicht geboten. Das Clostridium diffizile scheidet Toxine (Gifte) aus, welche Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Flüssigkeitsverlust verursachen. Gerade der Flüssigkeitsverlust ist hier besonders gefährlich.

Fazit

Hefepilzpräparate, die man übrigens rezeptfrei kaufen kann, können durchaus bei der Bekämpfung, der Prophylaxe (Vorbeugung) und der Nachsorge von durch Antibiotika ausgelösten Durchfällen helfen. Dennoch sollte man nicht leichtfertig damit umgehen. Nur weil ein Mittel frei verkäuflich ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass es bedenkenlos eingenommen werden sollte.