Definition der Erkrankung

Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haut deren Ursache bis heute nicht vollständig geklärt ist. Man weiß allerdings, dass sie mit einer Hyperkeratose (Überproduktion von Keratin) und dem daraus resultierenden kompletten Verschluss des betroffenen Talgdrüsenkanals einhergeht. Infolge dessen,  kommt es meist mit Beteiligung des Staphyllococcus aureus zur Entzündung und Superinfektion der Talgdrüse und des Haarfollikels. Im weiteren Verlauf entzünden sich auch die Schweißdrüsen und es kommt zur Abszessbildung und zur Bildung epithelisierter ( mit Haut ausgekleideter ) Fistelgänge.

Mehrere Abszesse zeitgleich sind keine Seltenheit. Ebenso Fieberschübe, starke Schmerzen, Abgeschlagenheit und Depressionen. Da Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa eine chronische, in Schüben verlaufende Erkrankung ist, breitet sie sich aus und kann ganze Hautareale zerstören. Durch eine großflächige oft derbe Narbenbildung kommt es zu Bewegungseinschränkungen. Betroffene Areale sind Hauptsächlich die großen Beuge- und Faltenregionen des Körpers, wie zum Beispiel Achselhöhlen, Gesäß, Leisten, Oberschenkelinnenseiten, den Genitalien und unter der weiblichen Brust, prinzipiell kann aber die gesamte Haut befallen sein.

Die Erkrankung kann sehr leicht mit anderen, ähnlichen, nicht chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Follikulitis und/oder Furunkulose, aber auch mit einzelnen Abszessen und Fisteln verwechselt werden. Darum wird ein Großteil der Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa Betroffenen nicht oder erst sehr spät diagnostiziert. So leiden Betroffene oft Jahre lang unter der Erkrankung ohne adäquat diagnostiziert worden zu sein. Dies hat zudem zur Folge, dass die meisten Betroffenen schlicht falsch behandelt werden. Im ersten Stadium der Erkrankung ist die Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa meist noch nicht chronifiziert und es bestehen gute Chancen auf Heilung. Diese Möglichkeit geht jedoch leider oft durch die falsche Diagnosestellung verloren.

Einer der eindeutigsten Zeichen der Erkrankung sind immer wiederkehrende Abszesse an den oben genannten Körperstellen. Meist verbessert sich der Zustand auch unter der falschen Behandlung nur gering bis gar nicht. Sollten solche Symptome auftreten, sollte man sich in eine Universitätsklinik begeben. Dort findet sich mittlerweile mindestens ein Arzt, der sich gut mit der Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa auskennt und eine adäquate Diagnose stellen und entsprechend therapieren kann.

Man spricht offiziell von ca. 1% der Weltbevölkerung (Jemec et al.), die von Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa betroffen sein sollen. Die Dunkelziffer ist jedoch sehr viel Höher. Der Grund, warum man keine genaue Erhebungen aufweisen kann, liegt zum einen im oben genannten Grund (Fehldiagnose) und zum anderen daran, dass viele Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa Patienten, unter Anderem aus Scham, keinen Arzt konsultieren. Diese Menschen können natürlich statistisch nicht erfasst werden und fallen somit aus wissenschaftlichen Erhebungen heraus.

Einteilung der Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa in Schweregrade

Man teilt die Erkrankung in drei Stadien nach ein. Dabei war die Einteilung nach Hurley bisher üblich. Nach den neuen europäischen Leitlinien wird die Einteilung jedoch vereinfacht vorgenommen (leicht / mittel / schwer). Diese Einteilungen geben Aufschluss über die Schwere der Erkrankung.

Einzelne oder mehrere, abgegrenzte Abszesse. Keine Fisteln.

Ein oder mehrere weit auseinander liegende Abszesse mit Fistelgängen und Narbenbildung
Flächiger Befall mit Abszessen, Fistelgängen und Narbenzügen

Entstehung eines durch Akne inversa bedingten Abszess

Anatomie des Haares in der Haut

Die Haut weist zunächst drei unterschiedliche Hauptschichten auf. Zu Oberst die Oberhaut (Epidermis). Darunter folgt die Lederhaut (Corium). Danach die so genannte Unterhaut mit dem Fettgewebe (Subcutis). Das Haar selbst sitzt im Haarbalg (Follikel) an dessen unterem Ende die Haarwurzel (Radix pili) gebildet wird. Die Talgdrüse entleert das Talg (Sebum) in das Haarbalg um so Haut und Haar zu Fetten. Die Apokrine Schweißdrüse (Duftdrüse) entleert ebenfalls in das Follikel.

Die ekkrine (nach Aussen hin absondernd) Schweißdrüsen sind die normalen Schweißdrüsen, die unter anderem für die Regulierung der Körpertemperatur verantwortlich sind. Lange Zeit nahm man an, dass die Akne inversa von den ekkrinen Schweißdrüsen ausgeht, was den Begriff Hidradenitis (Entzündung der Schweißdrüse) prägte. Heute weiss man allerdings, dass es eine Entzündung der Talgdrüse ist, welche vermutlich durch eine so genannte Hyperkeratose ausgelöst wird.

Phase 1 (Hyperkeratose)

Man vermutet heute, dass für die entstehende Enzündung bei Akne inversa (Acne inversa) / Hidradenitis suppurativa eine so genannte Hyperkeratose verantwortlich ist. Im Wesentlichen beschreibt dieser Vorgang die übermäßige Bildung von Hornhaut. Diese Überproduktion führt zum Verschluss (Verlegung) des Haarfollikels. In nebenstehender Abblidug kann man im roten Kreis gut erkennen, dass die Oberste Hautschicht den Haarkanal verschließt.

Phase 2 (Talgüberschuss)

In Folge des Follikelverschlusses kann das Sebum (Talg) nicht mehr abfließen. Das Follikel dehnt sich durch die Füllung mit Talg immer weiter aus.

Phase 3 (Entzündung)

Im Laufe der Überfüllung mit Talg kommt es auch zu einer Entzündung der Talgdrüse und des Follikels. Meist ist an dieser Entzündung auch der Staphylokokkus aureus beteiligt. Dieser wird durch die Hyperkeratose mit im Follikel eingeschlossen und findet dort ein perfektes Klima zur Fortpflanzung.

Phase 4 (Ruptur)

Durch die massive Infektion des Follikel und der Talgdrüse wird auch das Gewebe geschwächt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an welchem die Wände des Follikels dem Druck des immer noch fließenden Sebums und des sich bildenden Eiters nicht weiter Stand halten können. Es kommt zum Riss (Ruptur) dieser Gewebestruktur, bei welcher sich der Eiter und das Sebum in das Gewebe ergießt. Die Folge ist eine Superinfektion des umliegenden Gewebes.

Phase 5 (Abszess)

Unser Körper versucht der Superinfektion entgegen zuwirken und beginnt mit der Abkapselung des betroffenen Areals. So entsteht eine Eiterhöhle die sich immer weiter füllt und ausdehnt, bis die Entzündung vom Körper beseitigt werden konnte. Das Abszess ist entstanden.