Widerspruch legt man dann ein, wenn man eine Schwerbehinderung beantragt hat und die Ergebnisse, gerade für die Beeinträchtigungen von Acne inversa, nicht immer das sind, was man als Antragssteller erwartet hat. Oftmals ist der Grad der Behinderung (GdB) zu gering. Dies liegt meist an verschiedenen Faktoren. Zum einen, ist es sehr wahrscheinlich, dass der bewertende Arzt des Versorgungsamtes, die Erkrankung Acne inversa und die daraus folgenden Beeinträchtigungen nicht kennt. Dies kann er dann auch nicht zwangsläufig aus den angeforderten Krankenakten der behandelnden Ärzte ersehen. Hier kann man schon beim Antrag entsprechend nachhelfen. Man sollte vor allem Beschreiben, wie einen die Erkrankung im Alltag einschränkt und das so umfangreich wie möglich. Eventuell legt man dem Antrag eigenes Bildmaterial bei, das zum Beispiel Vernarbungen zeigt, die zu einer Bewegungseinschränkung führen. Das hilft dem Bewertenden ungemein weiter. Denn in der Regel ist es kein böser Wille des Arztes, sondern schlicht, fehlendes Wissen über die Erkrankung.

Falsche Angaben beim Schwerbehindertenantrag

Ein weiterer Faktor könnte sein, dass wir Acne inversa Betroffenen ein weiteres Problem haben. Nämlich, dass unsere Erkrankung nicht in der GdS-Tabelle (GdS = Grad der Schädigung) eingetragen ist, welche oft als Richtwertangabe bei der Bewertung herangezogen wird. Dort sind unter dem Punkt 17.3 Akne / Acne conglobata nur die Erkrankungen Akne tetrade und Akne tirade aufgeführt. Diese sind dem Krankheitsbild Acne inversa sehr ähnlich aber eben nicht das Gleiche. Laut der GdS-Tabelle sollen diese beiden Erkrankungen mit ein Mindest-GdB in Höhe von 50 bewertet werden. Dies veranlasst viele Antragssteller dazu statt der Acne inversa, eben Acne tirade / tetrade anzugeben. Diese sind allerdings im ICD-10 Code mit L70.1 angegeben. Acne inversa hat den ICD-10 Code L73.2. Auf dem Antrag liest der sachbearbeitende Arzt nun Acne tirade / tetrade, bekommt von deinem Behandelnden Arzt dann aber Acne invera / Hidradenitis suppurativa mitgeteilt. Diese ist in der GdS-Tabelle allerdings nicht aufgeführt. Hier könnte man im Vorfeld eventuell mit seinem behandelnden Arzt sprechen, dass er in seiner Stellungnahme so etwas wie „Das Krankheitsbild der Acne inversa / Hidradenitis suppurativa (L73.2) und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen im Alltag, sind dem der Acne tirade / tetrade (L70.1) sehr ähnlich und sollten gleich hoch bewertet werden.“. Ebenso kann man darauf hinweisen, dass die beiden anderen Akneformen gerne als Synomym für die Acne inversa verwendet werden.

So verfasst du einen korrekten Widerspruch zum Schwerbehinderungsbescheid

Wenn man das aber nun nicht getan hat und der Antrag eben zu niedrig bewertet wurde, hat man die Möglichkeit innerhalb einer Frist von vier Wochen, Widerspruch einzureichen. Entscheidend ist das Datum der Ankunft des Schreibens beim Versorgungsamt. Ein Widerspruch ist an keine besondere Form gebunden. Das heißt, im Grunde kannst du schreiben was du willst. Allerdings macht es natürlich wenig Sinn. Daher raten wir dir, zunächst einen Einspruch ohne Begründung einzureichen und die Begründung nachzureichen. Wichtig ist, dass du im Widerspruch erwähnst, dass du die Begründung nachreichst. Für die Nachreichung gibt es keine spezielle Frist, insofern du mit dem ersten Schreiben die Widerspruchsfrist eingehalten hast.

Fordere die Unterlagen an

In dem Widerspruchsschreiben, solltest du unbedingt die Unterlagen anfordern, die zur Entscheidung geführt haben. Anhand dieser kannst du dann sehen, warum dein Antrag so bewertet wurde. Dazu gehören alle Unterlagen wie Gutachten und Stellungnahmen. Du bist zur Einsicht dieser Unterlagen berechtigt. Es kann natürlich dann auch Sinn machen, nachdem du die Unterlagen bekommen hast, diese mit deinem Arzt zusammen, zu besprechen. Dieser kann den Entscheid medizinisch bewerten und eventuell Tipps geben. Es kann natürlich eine Zeit lang dauern, bis du die Unterlagen erhältst. Darum musst du zur Begründung deines Widerspruch auch keine Frist mehr einhalten. Dennoch gilt: je länger du benötigst, desto länger dauert es, bis du Bescheid bekommst.

Einen korrekten Widerspruch zur Schwerbehinderung verfassen

Obwohl es keine bestimmte Form einzuhalten gilt, sollte man doch strukturiert vorgehen. In einer kurzen Einleitung sollte man Bezug auf den entsprechenden Vorgang inklusive des Aktenzeichens nehmen. Damit der Leser auch weiß, um welche Sache es sich handelt. Gerade das Aktenzeichen wird häufig vergessen. Folgendermaßen könnte eine solche Einleitung zum Widerspruch lauten:

„In Ihrem Bescheid vom <DATUM DES BESCHEIDS> zur Sache <AKTENZEICHEN> teilten Sie mir mit, meinen am <ANTRAGSDATUM> gestellten Antrag mit einem GdB in Höhe von <GDB> zu bewerten. Ich bin mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und widerspreche diesem hiermit.“

Die Wortwahl kannst du natürlich variieren. Eine Begründung gibst du in dem Widerspruch nicht an, musst aber darauf hinweisen, dass eine solche noch folgen wird. Etwa so:

„Die Gründe meines Widerspruchs teile ich Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt, in einem gesonderten Schreiben mit.“

Jetzt musst du noch die Unterlagen beantragen:

„Damit ich Ihre Entscheidung gänzlich nachvollziehen kann beantrage ich Akteneinsicht und bitte Sie, mir alle Unterlagen, inklusive aller Gutachten und Stellungnahmen Dritter, die zu Ihrer Entscheidung geführt haben zukommen zu lassen.“

Im Grunde reicht dies dann aus. Natürlich fügst du noch eine allgemeingültige Schlussformulierung hinzu. Der Widerspruch muss von dir auch händisch unterzeichnet werden, da es sich dabei um ein Dokument handelt.

Wenn du die Unterlagen bekommen hast

Es gibt einige Punkte die du beachten solltest, wenn du die Unterlagen zu deinem Widerspruch zur Schwerbehinderung bekommen hast. Zum Beispiel ist es wichtig, dass von jedem der von dir angegeben Ärzte auch eine Stellungnahme oder ein Gutachten vorliegt. Nur wenn diese der Fall ist, kann der bewertende Arzt beim Versorgungsamt korrekt entscheiden. Er muss alle Fakten kennen. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es wichtig das in deine Begründung mit aufzunehmen.

Dann solltest du prüfen, ob auch alle Beeinträchtigungen die du aufgeführt hast, mit berücksichtigt worden sind. Im Bescheid muss zu jeder Beeinträchtigung eine Begründung stehen. Entweder wurde die Begründung mit einem Einzel-GdB Berücksichtigt oder sie fällt aufgrund einer Geringfügigkeit (GdB unter 10) weg. Sie muss im Schwerbehindertenbescheid aber auf irgend eine Weise vermerkt sein. Wenn nicht, muss das mit in die Begründung.

So gehst du die Unterlagen Stück für Stück durch. Erkläre auch noch einmal gesondert, warum du, durch welcher Erkrankung, wie im Alltag eingeschränkt bist. Versuche dabei so detailliert wie möglich zu beschreiben. Solltest du einen kleinen Denkanstoß und eine Formulierungshilfe benötigen so kannst du auf der Webseite von www.widerspruch.org den kostenlosen Generator verwenden.

Hilfe in Anspruch nehmen

Der Vorgang eines Widerspruchs zur Schwerbehinderung ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Darum solltest du in keinem Fall am falschen Ende sparen. Besorge dir Hilfe. Zum Beispiel bei einem Sozialverband wie VdK oder SoVD Beide kosten Mitgliedsbeiträge und bei beiden musst du für einen Widerspruch einmalig gesonderte Gebühren zahlen. Dafür erhältst du aber ein ganzes Konglomerat an Fachleuten, die das schon tausendfach gemacht haben und eine entsprechend Erfolgsquote aufweisen können.

Nicht nur wenn du berufstätig bist, kannst du in eine, deinem Beruf entsprechende Gewerkschaft eintreten. Das geht auch als Arbeitssuchender. Auch diese decken solche Fälle im sozialen Bereich mit ab und sind in der Regel etwas günstiger und du bist zusätzlich noch Arbeitsrechtlich voll abgedeckt. Vom Eigenversuch raten wir eindeutig ab. Es erfordert viel Know How und vor allem Zeit und Nerven um einen Widerspruch korrekt und auch schnell einzureichen.